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Der Preisspiegel: Warum er Ihr Projekt gefährdet

Der Preisspiegel ist eine weit verbreitete Praxis in der Baubranche – und ein gravierender Strategiefehler. Dieser Artikel erklärt, warum Architektinnen und Architekten die Kontrolle über ihr Planungsteam behalten müssen, welche Konsequenzen der günstigste Anbieter haben kann und wie Sie sich gegenüber Bauherren klar positionieren.
Joachim Müller
Prüfsachverständiger für Brandschutz
Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash
Foto: © Towfiqu barbhuiya/Unsplash

Was ist der Preisspiegel – und warum ist er ein Problem?

In der Baubranche ist es gängige Praxis, für das Planungsteam Vergleichsangebote einzuholen und daraus einen sogenannten Preisspiegel zu erstellen. Auf dieser Grundlage soll der Bauherr entscheiden, wer den Auftrag erhält. Das Ergebnis ist fast immer dasselbe: Der günstigste Anbieter bekommt den Zuschlag.
Was auf den ersten Blick nach Transparenz und Kostenbewusstsein aussieht, ist in Wirklichkeit ein klassischer Strategiefehler – und eine echte Branchenpest.

Wer trägt die Konsequenzen?

Viele Architektinnen und Architekten unterschätzen, welche Risiken sie sich mit diesem Vorgehen ins Haus holen. Denn wenn ein Low Performer – ob Brandschutzplaner, Tragwerksplaner oder Prüfsachverständiger – den Auftrag erhält, sind es nicht die Bauherren, die die Zeche zahlen. Es sind die Architekten.
Folgende Probleme entstehen typischerweise:
  • Verzögerungen bei der Baugenehmigung und der Nutzungsaufnahme
  • Mangelhafte Planungsunterlagen, die immer wieder korrigiert werden müssen
  • Kilometerlange Prüfberichte, weil die Brandschutzplanung unzureichend war
  • Schlechte Erreichbarkeit von Planungspartnern in kritischen Projektphasen
  • Mehraufwand bei der Koordination, den der Architekt alleine trägt
Der Architekt ist nach Baurecht und Werkvertragsrecht derjenige, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Er muss sämtliche Fachplanungen in seine Planung integrieren. Wenn ein Planungspartner nicht liefert, fällt das auf ihn zurück – gegenüber dem Bauherrn, gegenüber Behörden und gegenüber allen anderen Projektbeteiligten.

Die Macht liegt beim Architekten – nutzen Sie sie

Was viele vergessen: Architektinnen und Architekten haben die Entscheidungshoheit darüber, wer ins Projekt kommt. Der Bauherr vertraut ihnen sein Bauvorhaben an – und sollte deshalb auch darauf vertrauen, wen sie als Planungspartner empfehlen.
Statt sich auf einen Preisspiegel einzulassen, lohnt es sich, auf die eigene Projekterfahrung zu setzen:
  • Wer hat Sie noch nie hängen lassen? → Dieser Partner bekommt den Auftrag.
  • Wer hat immer schnell und zuverlässig geliefert? → Dieser Partner bekommt den Auftrag.
  • Wer hat über den Tellerrand geschaut? → Dieser Partner bekommt den Auftrag.
  • Wer war immer erreichbar und kommunikativ? → Dieser Partner bekommt den Auftrag.
Und umgekehrt: Wer in vergangenen Projekten schlechte Arbeit abgeliefert hat, sollte konsequent aus dem Bieterkreis ausgeschlossen werden – unabhängig vom Preis.

Das Problem mit der vermeintlichen Vergleichbarkeit

Ein weiteres Argument gegen den Preisspiegel: Die eingeholten Angebote sind in der Regel gar nicht miteinander vergleichbar. Leistungsumfänge unterscheiden sich, Positionen fehlen oder sind unterschiedlich kalkuliert. Trotzdem wird am Ende krampfhaft versucht, die Angebote durch Zu- und Abschläge vergleichbar zu machen.
Dieses Vorgehen führt zu keiner belastbaren Entscheidungsgrundlage – sondern lediglich zu einer Scheingenauigkeit, die dem Projekt schadet.

So positionieren Sie sich gegenüber dem Bauherrn

Wenn ein Bauherr auf einem Preisspiegel besteht, empfiehlt es sich, klar und schriftlich zu kommunizieren:
  1. Benennen Sie Ihren bevorzugten Planungspartner und begründen Sie die Wahl mit Erfahrungswerten.
  2. Lehnen Sie den Preisspiegel schriftlich ab und dokumentieren Sie Ihre Empfehlung.
  3. Weisen Sie auf die Konsequenzen hin, falls der Bauherr dennoch auf dem günstigsten Anbieter besteht.
  4. Stellen Sie Mehraufwände konsequent in Rechnung, die durch einen nicht empfohlenen Planungspartner entstehen – jede Wiederholungsleistung, jede Korrektur, jedes unnötige Nachfassen.
Der Bauherr muss Ihnen vertrauen – sonst ist das gesamte Projekt gefährdet. Wer ein Bauvorhaben in Ihre Hände legt, sollte auch Ihrer Einschätzung bei der Teamzusammenstellung folgen.

Fazit: Schluss mit dem Preisspiegel

Der Preisspiegel mag in der Baubranche weit verbreitet sein – er ist dennoch ein Strategiefehler, der vor allem zu Lasten der Architekten geht. Wer die Kontrolle über sein Planungsteam abgibt, gibt auch die Kontrolle über sein Projekt ab.
Setzen Sie auf bewährte Partnerschaften, klare Kommunikation und konsequente Positionierung gegenüber dem Bauherrn. Das schützt nicht nur Ihr Projekt – es schützt auch Ihre Reputation.
Rechtlicher Hinweis:
Die Inhalte und Aussagen in diesem Blogbeitrag sind keine Rechtsberatung und ersetzen auch keine individuelle Planung / Prüfung des Brandschutzes für ein Gebäude. Der Blogbeitrag ist somit als Erstinformation und Meinungsäußerung zu verstehen und erhebt keinen Anspruch auf vollständige Richtigkeit bezüglich der Übereinstimmung mit einer Landesbauordnung oder sonstigen Vorschrift.
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